Wodurch stellt der Eichenprozessionsspinner eine Gefährdung für den Menschen dar?
Wenn der Mensch mit den Brennhaaren der Raupen, den Häutungsresten bzw. den Nestern in Kontakt kommt, kann er Symptome vor allem an der Haut und am Auge zeigen.
Folgende Krankheitsbilder sind in der Literatur beschrieben:
  • Raupen-Dermatitis (Erukismus): Die am häufigsten auftretende Hautentzündung entsteht durch mechanische wie auch pseudoallergische Reizung der Haut (toxisch-irritative Dermatitis). Hierfür wird die Thaumetopoein-ähnliche Substanz aus den Brennhaaren verantwortlich gemacht. Die Hautentzündung ist geprägt durch starken Juckreiz (Puritus), Hautrötung (Erythem), Quaddeln (Urticae) und Bläschen, vor allem an nicht von Kleidung bedeckten Hautpartien wie z.B. dem Nacken.
    449px-Raupendermatitis
    Manchmal bilden sich insektenstichähnliche Knötchen bzw. Papeln. Die Krankheitsdauer liegt bei 2 Tagen bis 2 WocheIn einer neueren Arbeit wird über zwei epidemiologisch zusammenhängende Fälle von toxisch-irritativer Dermatitis nach Kontakt mit Kiefernprozessionsspinnerraupen in Portugal berichte
  • Allergie: Ein Forstarbeiter aus Spanien zeigte einen juckenden Hautauschlag, der vom Nackenbereich ausging und sich über den ganzen Körper ausbreitete. Zudem trat Zungenschwellung, Kurzatmigkeit, Schwindel und eine Beeinträchtigung des Sehvermögens auf. Bei ihm wurde eine allergische Reaktion auf den Pinienprozessionsspinner mittels Immunoblots (fixierte Antigene des Pinenprozessionsspinners reagieren mit IgE-Antköpern des Patienten aus dem Serum) und Einstechen der Antigene in die Haut (Prick-Test) festgestellt. Zusätzlich wird in der Literatur über mehrere spanische Fälle berichtet, bei denen allergische Reaktionen auf Pinienprozessionsspinner mittels Immunoblot nachgewiesen wurden. Die Patienten haben häufiger Schwellungen (Ödeme) und die Krankheitssymptome setzen bereits nach 15 bis 60 Minuten ein. 
  • Augenbindehautentzündung/Hornhautentzündung und Ophthalmia nodosa: Gelangen die Raupenhaare ins Auge kommt es dort zu einer akuten Bindehautentzündung (Konjunktivits) mit Rötung, Lichtscheuheit und starker Schwellung der Augenlider. Wenn sich die Brennhaare durch die Hornhaut bohren, ist Hornhautentzündung (Keratitis) die Folge. Für den Pinienprozessionsspinner wird zudem in seltenen Fällen das Krankheitsbild -Ophthalmia nodosa- beschrieben. Es handelt sich um schwere Entzündungen des Augeninneren, bei der granulomatöse Ansammlungen auf der Horn- oder Regenbogenhaut infolge des Eindringens der Brennhaare auftreten.
  • Entzündungen im Rachenbereich und den oberen Luftwegen: Das Einatmen der Brennhaare kann zu Entzündungen im Rachenbereich (Laryngitis/Pharyngitis) und in den Bronchien (Bronchitis) führen. In einem Fall wurde über allergisches Asthma berichtet, das über Provokation mit Pinienprozessionsspinner-antigenen bestätigt wurde.
  • Zusätzliche Symptome: Gastrointestinale Beschwerden und Schwindel werden in Einzelfällen in der Literatur beschrieben.